THE PRESENCE

von Daniel Ginelli

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Ich erlebe Zeit in einer Gegenwart.

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konstant - Tag für Tag.
Jahreszeiten wechseln, Jahrzehnte vergehen - ich aber befinde mich stets im Jetzt.
Gegenwart, ein permanenter Zustand.

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Bin ich allein mit dieser Erfahrung? Keineswegs!
Da alle diesen konstanten Zustand kennen, erstreckt sich Gegenwart über alle Zeit.
Sie tritt einfach immer auf, sobald Zeit erfahren, beurteilt, oder gemessen wird.

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Wenn einzig Gegenwart gelebt wird, stellt sich die Frage:
Wann ereignen sich Zukunft oder Vergangenheit?

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- Zukunft findet morgen statt - ist eine vergiftete Aussage, denn ich kann den morgigen Tag nur als ein Heute kennenlernen. Wo ich Zukunft vermute, treffe ich stattdessen auf das Jetzt der Gegenwart. Der sogenannte zukünftige Tag entpuppt sich als Gegenwart.

Und: es gibt keinen Tag, den ich nicht als ein Heute erlebe.

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Vergangenheit - auch sie ereignet sich als Gegenwart. Erst im Nachhinein entsteht sie als nachträgliche Beurteilung, etwa als heutiges Urteil über gestern (und manifestiert sich dabei erneut als Gegenwart).

Auch Vergangenheit ist nicht ohne die permanente Gegenwart zu haben.

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Auf die Frage „wann finden Zukunft und Vergangenheit statt?“, kann es also (falls diese beiden Zeitformen überhaupt existieren) nur eine Antwort geben - in der Gegenwart.

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Eine erfrischende Antwort, denn nach bisheriger Zeitauffassung konnten Zukunft und Vergangenheit immer und überall stattfinden - nur nicht in der Gegenwart.

Also nachgehakt: wann genau würden sie sich ereignen, wenn nicht in der Gegenwart?
Eine Frage, die bemerkenswerterweise nicht beantwortet werden kann. Denn sie sind ja nie real anzutreffen. Zukunft, weil sie noch nicht ist, Vergangenheit, weil sie nicht mehr ist. Ihre Beliebtheit verdanken sie ja gerade ihrer ausdrücklichen Nicht-Vorhandenheit. 
Man kann ihnen dann zwar alles andichten, als konkrete zeitliche Bereiche wird man sie nicht zu Gesicht bekommen. Aus dem einfachen Grund: sie existieren als solche einfach nicht.

Was aber sind sie dann? Reine Einbildung?

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Vergangenheit und Zukunft sind selbst keine Zeit, sondern Interpretationen von Zeit. 

Beispiel: 

Die Zeit, die vor mir liegt, wird Zukunft genannt. Habe ich sie durchlebt, bedeutet sie plötzlich Vergangenheit. Dieselbe Zeit kann völlig unterschiedliche Bedeutung erlangen! Das ist nur möglich, solange weder Zukunft noch Vergangenheit dieser Zeitbereich sind, stattdessen variable Interpretationen desselben. 

In gewisser Weise ähneln sie Himmelsrichtungen. 

Westlich, östlich, südlich oder nördlich sind auch nur variable Beurteilungen einer Landschaft und nicht die Landschaft selbst. Ein vor mir liegendes Gebiet könnte beispielsweise Süden bedeuten, durchquere ich es, nehme ich es anschließend als Norden wahr. 

Gleichermaßen handelt es sich bei Zukunft und Vergangenheit um Interpretationen von Zeit, nicht um die eigentliche Zeit. Das ist dabei das Entscheidende. Nur so geraten sie nicht in Konkurrenz zu einer allumfassenden Gegenwart (einfach, weil sie selbst keine Zeit sind).

Zusammenfassung

· Gegenwart ist Ausgangspunkt jeder Zeit-Beobachtung.

· Gegenwart ist der generelle, konstante und gelebte Zeitzustand.

· Vergangenheit und Zukunft sind keine Zeitbereiche, sondern Interpretationen von Zeit

· Beide ereignen sich in der Gegenwart.

Ausblick auf Level 2:

welche dramatischen Folgen birgt der Umstand, dass Vergangenheit und Zukunft nur Interpretationen (aber keine eigenständige Bereiche) von Zeit sind. stay tuned!